BEDENKMAL

Denkmäler und Mahnmäler: unter diesen polaren Titeln wird Erinnerungskultur im öffentlichen Raum geübt. So als wäre unsere Geschichte eindeutig, als wäre sie nicht voll von Grautönen.

Und in einer zunehmend diskursunfähigen Gesellschaft werden die polaren Positionen härter, unversöhnlich, absolut. „Cancle Culture – weg mit der Geschichte!“ vs. „Denkmalstürmer – wollen uns unsere Geschichte nehmen!“. Dichotome Geschichtsbetrachtung als Symptom einer kollektiven kognitiven Verzerrung.

BEDENKMAL umhüllt mit einer neutralen Gegenwartskulptur umstrittene Denk- und Mahnmäler. Diese Umhüllung macht aufmerksam. Sie lädt dazu ein, Geschichte zu enthüllen; und prizipiell die Neugier auf Geschichte zu entfachen; sich mit ihrer unvermeidbaren Ambivalenz zu beschäftigen.

BEDENKMAL positioniert sich mitten- in den Grautönen der Geschichte- im gerne vergessenen Faktum, dass Geschichte immer sowohl inerhalb als auch ausserhalb  des Zeitkontextes interpretiert werden muss: Geschichte kann nicht gelöscht werden. „You cannot cancel history“. Geschichte soll weder verdammt, noch verherrlicht werden.

BEDENKMAL ist ein Zylinder aus Eisen oder mattem Plexiglas, je nach gewünschter Transparenz, mit einem umlaufend ausgestanzten Text. Die Installation wird dem Denkmal „übergestülpt“ und wird vor Ort in den Boden eingelassen. Das Denkmal im Inneren des Zylinders wird dadurch in den Hintergrund gesetzt ist aber bei näherer Betrachtung nach wie vor ersichtlich, und in der textlichen Interpretation in einem 360 Grad Rundgang neu geschichtlich versehen. Der Text in der Installation wird bei Nacht indirekt beleuchtet und ist daher gut lesbar.        

BEDENKMAL enthüllt durch Verhüllung.
BEDENKMAL stülpt Diskurs über.

Jede Enthüllung verhüllt auch bestimmte Aspekte, jeder Diskurs wird auch immer in gewissem Maße dirigiert. Wir sind bloß Menschen.

Kollektiv ADVW-Naegerl 2020

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